Orte der Kraft in Bayern: Das „Deifedradi“, die Quelle mit dem teuflischen Quellgeist

Der Film zur Quelle.
Quellen gehören zu den schönsten, kraftvollsten und oft auch geheimnisumwitterten Naturorten; bereits der Aufenthalt an Quellen wirkt oft belebend und erfrischend. Für den Geist, weil das Quellwasser durch sein unablässiges Murmeln und Plätschern eine Atmosphäre meditativer Konzentration hervorruft, für den Körper, weil die Luft über dem bewegten Wasser mit negativ geladenen Ionen angereichert und damit vitalisierend wirkt und sowohl die psychische als auch die physische Leistungsfähigkeit verbessert. Vor allem aber sind Quellen wahre Seelenorte, stärken die Intuition und begünstigen spirituelle Erfahrungen. Wer mit offenen Sinnen an einer Quelle verweilt kann nachvollziehen, weshalb in alten Mythen Göttinnen und Naturgeister oft bei Quellen erscheinen. Eine Sonderform von Quellen sind Waldquellen, die meist gar nicht unbedingt so fröhlich vor sich hinplätschern wie eine kleine Felsenquelle auf der Alm sondern viel mehr die Aura einer in sich ruhenden Kraft verbreiten und damit ein Spiegelbild der sie umgebenden Waldesruhe sind.

Solch eine Quelle ist das „Deifedradi“ am Südufer des Seehamer Sees im Einzugsgebiet des oberbayerischen Mangfalltals. Es ist ein künstlicher kleiner See, aufgestaut in den 1920er Jahren zur Energiegewinnung als Rückhaltebecken an der Stelle mehrerer kleiner, „Osterseen“ genannter Toteislöcher aus dem Rückzugsgebiet des eiszeitlichen Inngletschers. Die höchsten Erhebungen des gefluteten Bereichs ragen heute als Inseln auf dem See heraus, auf der größten dieser Inseln befand sich eine mittelalterliche Burganlage.  Gespeist wird der See vor allem mit Kraftwerkswasser aus der Leitzach, jedoch verfügt er im Süden auch über einige kleinere Quell-Zuflüsse, von denen das Deifedradi die größte ist.
Nur manchmal wird das Zwitschern der Waldvögel über dem kristallgrünen Wasser des verbliebenen Toteislochs von einem feinen Plätschern des kleinen Bachs unterbrochen, der nach rund 70 Metern in den Seehamer See mündet. Die Quelle selbst ist still, kein Geräusch dringt herauf wenn an einer von mehreren Stellen im Wassergrund das frische Nass aufsteigt.
Dafür aber sieht man es. An drei Stellen wirbelt immer wieder feiner weißer Sand auf der kleine Wolken bildet, sich in konzentrischen Wellen ausbreitet und schließlich wieder zum Grund hinabsinkt. Ein faszinierenden Schauspiel unter den tanzenden Schatten der hohen Baumkronen, die sich auf der Wasseroberfläche spiegeln, das vor dem inneren Auge des Betrachters Bilder einstiger Zeiten lebendig werden lässt, in denen Seherinnen die Zukunft aus Wasserwirbeln in Quellen herauszulesen vermochten.

Ein Wilderer der keine Ruhe findet soll unter dem See hausen heißt es einer Auslegung nach – nach einer anderen ist es gar der Teufel selbst der sich hier zeigt und das Wasser so anschubst, daß sich hier und da, immer wieder anders, sommers wie winters die Sandkreisel drehen. Sicher ist, daß der Sand aus einer Zwischenschicht zwischen härteren Gesteinsplatten stammt und von der Quelle heraufgeschwemmt wird – nicht bekannt ist leider, ob es sich beim Deifedradi um einen vorchristlichen Kultort handelt, wie es die teuflische Ortsbezeichnung nahelegt.

Die beste Zeit um diesen besonderen Ort zu erleben und zu erspüren ist kurz vor und nach dem Sonnenuntergang, dabei aber unbedingt an eine Stirnlampe für den Rückweg auf dem Seerundweg zu einem der vielen Parkplätze rund um dem Seehamer See (Anfahrt über A8, Ausfahrt Weyarn) denken.

Auch wenn eine filmische Aufzeichnung das Erleben nicht ersetzen kann, schürt es doch wohl das Verlangen sich selbst auf den Weg zur kleinen Waldquelle und seinen Geheimnissen aufzumachen.

 


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