Das Rosengeheimnis

Das Rosengeheimnis, oder: Was die Rose im Schnee barg.
Viele Tage lang schon hatte ich sie beobachtet. Wie sie im ungewöhnlich warmen Spätherbste einen ihrer Triebe der immer schwächer werdenden Sonne entgegenstreckte, wie sich an der Triebspitze langsam ein kleines Kügelchen formte, das sich immer mehr aufplusterte und unter dessen satttgrünen Deckblättern schließlich ein zartrosa Flaum hervorschimmerte. Kein Zweifel: Eine Rosenknospe, die mir im November noch ihren Duft und ihre Schönheit schenken will. Dann legte sich eine feine Schneedecke über den Garten, endlich Winter!
Aber die kleine Rose? – Ich hatte sie vergessen.

Bis heute morgen, als ich durch den Garten ging und mir am Rande der Terrasse etwas ins Auge stach. Rosa rot, so ein bisserl wie ein verlorenes Herz, das achtlos der eisigen Kälte preisgegeben worden war: Die kleine Rosenknospe. Der Schnee hatte sie nicht zerstört, er hatte sie vielmehr beschützt vom eisigen Wind und der Kälte der sternklaren Nächte. Nun aber war wohl auch seine Kraft erschöpft, niedergedrückt lag die Rosenknospe, die jetzt vielmehr schon zu einer kleinen Blüte herangereift war einsam vor meinen Füßen. Vorsichtig schnitt ich sie ab, brachte sie ins Haus, und stellte sie in eine kleine Vase.
Es dauerte nur wenige Stunden, bis sie mir ihr Geheimnis preisgab, zauberhaft eingebettet in einem freudetanzenden Sommerrosenduft, der meinen Schreibtisch umhüllt.

„Auch wenn Du mich nicht siehst, ich bin dennoch da. Ob eingeschlossen oder nur verborgen, ich trage meine Kraft in mir. Weck mich nur auf und nimm mich mit Dir!“

Oder will uns die Rose vielleicht nur einen Hinweis auf den kommenden Winter geben, wie folgende Bauernregel für den November beschreibt:
Blühts im November wieder neu, währt der Winter bis zum Mai.

 

 

 

 

 

 


Ein Kommentar zu “Das Rosengeheimnis
  1. Rina Ris sagt:

    Ich habe auch eine Rose gefunden im Park

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