Altweibersommer am Mittelmeer

Zugegeben: Ein echtes Postkartenmotiv ist dieses leuchtende Alpenveilchen wirklich nicht. Viel zu zentral wartet mittendrin die langbeinige Spinne auf ihre Beute. Mag ‚man‘ einfach ned. Und ‚frau‘ vermutlich erst recht nicht 😉
Aber ist das kunstvolle Baldachingewebe eigentlich nicht ein echtes Kunstwerk? Und das Alpenveilchen wirklich eine ganz besondere Schönheit der Blumenwelt? Und hat die Spinne auf dem Alpenveilchen vielleicht sogar eine ganz besondere Bedeutung?!

Seinen Namen hat das Alpenveilchen – hier das Griechische Alpenveilchen, Cyclamen graecum – vom griechischen Wort κύκλος / kyklos = „Kreis“, was sich vordergründig auf die runde Knolle beziehen mag, vor allem aber für den Jahrekreis steht.  Als eine der Pflanzen aus dem Garten der Hexengöttin und alten Erdenmutter Hekate ist das Alpenveilchen eine der großen alten Heil- und Mysterienpflanzen. Und zwar eine tödlich giftige.
Die weisen Frauen nutzten die Kraft der Pflanze einst für die Begleitung schwieriger Geburten und den Übergang in andere Welten, symbolisch steht es damit für den Übergang von einer (Lebens-) Zeit zur nächsten.
Passenderweise wird das Alpenveilchen heute homöopathisch u.a. bei
Zukunftsängsten, Folgen von schmerzlichen Lebenseinschnitten und bei rapider Alterung im Klimakterium eingesetzt. Die wiederum im Jahreskreis dem Altweibersommer entspricht, in der die Blüte der bezaubernden kleinen Schönheit einsetzt.

Und die Spinne? Inmitten ihres Netzes als Symbol der kosmischen Ordnung spinnt sie den schicksalsbestimmenden Lebensfaden und wird – vielleicht in einer Art unterbewusster Erkenntnis – von vielen Menschen mit Respekt bis Ängstlichkeit betrachtet. In der griechischen Mythologie war Arachne, so der wissenschaftliche Name der Spinnen, eine Teppichweberin, die durch einen vollendeten Teppich mit Liebesszenen zwischen Göttern und Sterblichen den Zorn der Göttin Athene erregte und von dieser samt aller Nachkommen in Spinnen verwandelt wurde, nachdem sie den Teppich vernichtet hatte. Schade eigentlich, vielleicht hätte es darauf die eine oder andere interessante Szene zu entdecken gegeben 😉 Auf jeden Fall aber findet sich auch hier wieder ein großer Bezug zum Kreis des Lebens.

Ein schöner Gedanke, wenn mir jetzt in der Zeit zwischen den herrlich leichten Tages des Hochsommers und den ersten kalten Nächten hauchfeine Klebefäden und taunasse Silbernetze im hohen Gras oder zwischen den Blättern meines Apfelbaums auffallen.
Es ist eine Zeit der Wandlung, der Sommer geht zur Neige – aber genieße das Leben.
Unbedingt!

 

 

 

 


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