Der Almabtrieb

Der Almabtrieb – Zeitgenössisches Brauchtum und altes magisches Wissen

Nach einem glücklichen und unfallfreien Almsommer ist beim Almabtrieb der Zeitpunkt, Dankbarkeit dafür zu zeigen. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, das gesunde, frisch gesömmerte Vieh vor neidvollen Verwünschungen weniger Begünstigter zu schützen.

Im ganzen Alpenraum werden für diesen besonderen Anlaß reichverzierte Kronen angefertigt und den Kühen auf das Haupt gebunden. In der Mitte der Krone wird zumeist ein Spiegel angebracht, um böse Blicke schadfrei zurückzuschicken. Einen ähnlichen Zweck erfüllten die ledernen Halbmasken, die die Kühe unkenntlich machen sollten. Tief tönende Glocken, die großen Gunkerer, sollten böse Geister vertreiben.

Den zentralen Schmuck stellen stets Silberdisteln dar, womit die ohnehin schon schutzmagische Pflanze noch mehr mit schutzmagischer Power aufgeladen wird. An die Stalltür genagelt, stellt die Silberdistel der Leitkuh den größtmöglichen Schutz für Vieh, Haus und Hof dar. Disteln galten bereits in der Antike als Banner dämonischer Mächte, eine Vorstellung die sich in Volksglauben und Herbalmagie bis heute erhalten hat. „Das Böse“ soll sich an den Dornen aufspießen bevor es ins Haus eindringen oder anderen Schaden anrichten kann.

Einen festen Platz in der Viehkrone haben neben der Silberdistel auch Alpenrose und Latschenzweige, beides Pflanzen, denen der Überlieferung nach starke schutzmagische Eigenschaften zugeschrieben werden.

                                                                                                 (aus: „Lexikon der Alpenheilpflanzen“ von Astrid Süßmuth. AT-Verlag, 2013)

 

An den Wochenende von Mitte September bis Anfang Oktober findet vielerorts in Tirol der traditionelle Almabtrieb statt – wer dieses Schauspiel noch nie erlebt hat: Unbedingt hingehen!

 

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